Fallbeispiele

Die UB hat die Lebensqualität von Menschen mit Behinderung verbessert, indem sie es ihnen ermöglicht hat, aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben. Sie hat einen positiven Einfluss auf Familien und Arbeitgeberinnen/Arbeitgeber, die von dem profitieren, was Menschen mit Behinderung bei der Arbeit leisten. Die Stärke der UB ist es, dass sie es Menschen mit Behinderung ermöglicht, in die reale Arbeitswelt einzutreten, indem sie sich auf die individuellen Fähigkeiten konzentriert und individualisierte, bedarfsabhängige Unterstützung auf unterschiedlichen Ebenen bietet.

 

Unterstützung und Beratung steht auch den Arbeitgeberinnen/Arbeitgebern zur Verfügung. Die UB ist auch eine wichtige Methode für Arbeitgeberinnen/Arbeitgeber, um zu prüfen, wie die Arbeitsprozesse im Unternehmen organisiert sind; sie hilft bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze bzw. bei der Neugestaltung bestehender Arbeitsplätze in einer Weise, die es Menschen mit Behinderung erleichtert, eine Rolle bei der Arbeit einzunehmen. 

 

Beispiel 1: Das Modell der Unterstützten Beschäftigung in Aktion

 

Valeria arbeitet in einem Geschäft in Brüssel. Der Arbeitgeber hatte keine Erfahrung damit, einen Menschen mit Behinderung anzustellen, und begann mit einer Probezeit für ein paar Stunden in der Woche. Der Arbeitgeber fand heraus, dass Valeria mehr konnte, als er erwartet hatte. Ihre Arbeitszeit wurde erhöht und ihr Aufgabengebiet ausgeweitet. Ihre Aufgabe ist es, den Bestand im Laden und im Lager zu kontrollieren.

 

Ein wichtiger Aspekt der Unterstützung durch die Fachkraft für UB ist es, die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen/Kollegen zu erproben. Außerdem überwacht sie die weitere Entwicklung und berät den Arbeitgeber und die Arbeitnehmerin. Der Arbeitgeber stellt Job-Coaching zur Verfügung.

 

Beispiel 2: Die Bedürfnisse des Arbeitgebers durch Unterstützte Beschäftigung decken

 

In Slowenien gibt es ein wachsendes Bewusstsein dahingehend, die Bedürfnisse der Arbeitgeberinnen/Arbeitgeber mithilfe eines angepassten Arbeitsprozesses zu erfüllen. Dieser Prozess beginnt mit einer Explorationsphase, die den Grundstein für die Einsatzplanung legt. Das Ergebnis ist eine ausgehandelte Vereinbarung, die den Bedürfnissen sowohl der Arbeitgeberinnen/Arbeitgeber als auch der Arbeitsuchenden gerecht wird. In vielen Fällen kann eine neue Stelle geschaffen werden.

In Ljubljana wurde eine Stelle in einem Restaurant geschaffen, in dem der Arbeitssuchende nun das Weinlager verwaltet. Diese Stelle passt perfekt zum Arbeitssuchenden. 

 

Beispiel 3: Der Arbeitgeber in einer aktiven Rolle

 

Die Zahl der Arbeitgeberinnen/Arbeitgeber, die bereit sind, Personen mit Behinderung anzustellen, wächst. Es zeigt sich, dass die Arbeitgeberinnen/Arbeitgeber selbst die Initiative ergreifen und Organisationen kontaktieren, die UB anbieten, und um Hilfe bei der Rekrutierung, Vermittlung und Ausbildung bitten.

 

In Spanien beschloss ein Arbeitgeber, Personen mit Behinderung anzustellen, hatte aber noch keine Erfahrungen darin. In Zusammenarbeit mit der UB-Organisation wurde eine Untersuchung durchgeführt und festgestellt, welche Arbeit im Unternehmen geeignet war.

 

Man fand Bewerberinnen/Bewerber und der Arbeitgeber bildete sie vor Ort mit Hilfe einer Tutorin aus.

 

Beispiel 4: Schaffung von Arbeitsplätzen im gesamten Unternehmen

 

Große Unternehmen und große Organisationen haben die Möglichkeit, eine Beschäftigungspolitik zu entwickeln, indem sie Menschen mit Behinderung anstellen. In den Niederlanden hat ein Krankenhaus ein Projekt mit dem Ziel begonnen, 100 junge Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Diese Personen sollen in erster Linie Hilfsaufgaben und Botendienste (z. B. Essen zustellen, den Patientinnen/Patienten Gesellschaft leisten, Reinigungsarbeiten in der Küche/Kantine) erledigen.

 

Die Realisierung dieser Stellen ist das Ergebnis einer Neugestaltung der Arbeitsabläufe in verschiedenen Abteilungen, eine andere Art und Weise, die Arbeit zu organisieren, und die Unterteilung in Funktionsebenen, wobei die Kapazitäten, Möglichkeiten und Einschränkungen der verschiedenen Gruppen von Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern der Ausgangspunkt war.

 

Beispiel 5: Maßgeschneiderter Beschäftigungsansatz

 

Maßgeschneiderte Beschäftigung heißt, die Bedürfnisse der Arbeitgeberin/des Arbeitgebers und der Arbeitnehmerin/des Arbeitnehmers zu erfüllen. Danilo arbeitet in einem Restaurant in Italien.

Bewertung: Der Bewertungsprozess ist ein Entdeckungsprozess von zwei bis drei Monaten mit dem Ziel, den Menschen sehr gut kennenzulernen. Man erkundet die individuellen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Interessen sowie die Schwierigkeiten, die in Bezug auf eine erfolgreiche Anstellung zu berücksichtigen sind. Es handelt sich dabei um einen dynamischen Ansatz, bei dem die/der Arbeitsuchende den Explorationsprozess steuert und die Präferenzen und Verbindungen in der Gemeinschaft erfasst. Die/Der Arbeitssuchende wählt Freundinnen/Freunde, Familienmitglieder und Kolleginnen/Kollegen aus, die sich an der Explorationsphase beteiligen, sodass sie/er positive Sichtweisen und mögliche Verbindungen zum Beschäftigungsverhältnis teilen kann. Am Ende der Explorationsphase trifft die/der Arbeitsuchende Entscheidungen in Bezug auf ihre/seine Beschäftigungsziele und potenzielle Arbeitgeberinnen/Arbeitgeber. In diesem Fall war das Ergebnis eine Stelle in einem Restaurant.

 

Stellensuche: Die Informationen aus dem Explorationsprozess sind die Grundlage für die maßgeschneiderte Arbeitsplanung. Das Ergebnis ist eine Blaupause für die Stellensuche. In diesem Fall sollte die Stelle in einem Restaurant gefunden werden.

 

Analyse und Abgleich der Stelle: Ein wesentliches Instrument im Bereich der maßgeschneiderten Beschäftigung ist es, Aufgaben und Erwartungen so auszuhandeln, dass die Fertigkeiten und Interessen der/des Arbeitsuchenden den Bedürfnissen der Arbeitgeberin/des Arbeitgebers entsprechen. Die Verhandlung führt zu einer Stellenbeschreibung, die die maßgeschneiderte Beziehung zwischen Arbeitgeberin/Arbeitgeber und Arbeitnehmerin/Arbeitnehmer skizziert. Zu den Optionen für die Anpassung einer Stellenbeschreibung gehören die Analyse der Stelle, das Anpassen der Stelle und das Verhandeln einer neuen Stellenbeschreibung. In diesem Fall ist es die Hauptaufgabe, sich um den Weinbestand des Restaurant zu kümmern.

 

Job Coaching: Man vereinbart mit den Arbeitgeberinnen/Arbeitgebern die Unterstützung bei der Arbeit, das Ausmaß der Ausbildung am Arbeitsplatz und spezifische Aufsicht. In diesem Fall umfasste die Ausbildung am Arbeitsplatz den Umgang mit dem Weinlager und das Erkennen verschiedener Weine.

 

Laufende Unterstützung: Die Betreuerin/Der Betreuer kontaktiert die Arbeitgeberin/den Arbeitgeber und die Arbeitnehmerin/den Arbeitnehmer ein paar Mal pro Monat und gibt Tipps und hilft bei Bedarf.

 

Beispiel 6: Unterstützte Beschäftigung in der Praxis

 

Alain arbeitet in einer Drogerie in Frankreich.

 

Bewertung: Die UB-Organisation bietet einen neunmonatigen Kurs. Während dieser Zeit findet die Exploration in Bezug auf soziale und arbeitsbezogene Fertigkeiten und Interessen statt. Es geht stets darum, die Person so gut wie möglich kennenzulernen. Auch Personen aus dem Netzwerk der Person (z. B. Familie) sind daran beteiligt. Nach dieser Zeit geht es vor allem darum, eine Stelle zu erhalten. In diesem Fall gab es eine Stelle für Alain.

  

Stellensuche: Der Arbeitgeber, eine Organisation, die verschiedene Drogerien in Paris besitzt, kontaktierte die UB-Organisation und bat sie, Bewerberinnen/Bewerber für offene Stellen vorzuschlagen. Alain wurde ausgewählt.

 

Analyse und Abgleich der Stelle: Die Aufgaben, die Alain ausführen musste, waren: Artikel im Lager auspacken, Artikel bepreisen und die Menge kontrollieren. Diese Aufgaben passen sehr gut für Alain.

 

Job Coaching: Die Aufgaben des Job Coaches werden von einer Kollegin im Unternehmen durchgeführt. In der Einführungsphase hielt ein Tutor der UB-Organisation Kontakt und stand dem Arbeitgeber und Alain mit Rat und Hilfe zur Seite.

 

Laufende Unterstützung: Jedes Monat werden mit Alain und seinem Vorgesetzten Gespräche geführt. Auch Überwachung ist vorgesehen. Das Ziel des Gesprächs ist es, festzustellen, ob und welche Art von natürlicher Unterstützung benötigt wird und wie diese umgesetzt werden sollte. Die Termine werden schriftlich dokumentiert. Auch die Familie erhält bei Bedarf Unterstützung.

 

Beispiel 7: Unterstützte Beschäftigung in der Praxis

 

David arbeitet für die öffentliche Verwaltung der Stadt Belfast, Nordirland.

David hat Autismus. Die Stadt Belfast begann mit einem Einstellungsprogramm für 400 langzeitarbeitslose Menschen mit und ohne Behinderung. Man begann mit einer Ausbildung für 45 Personen, darunter neun Personen mit Behinderung. David wurde für dieses Programm ausgewählt.


Die Ausbildung beinhaltet:

  • eine Woche Berufserfahrung;
  • ein Gespräch;
  • Arbeiten im Team;

 

Um ihn in die Lage zu versetzen, am Programm teilzunehmen, erhielt David Unterstützung durch die UB-Organisation. Die Unterstützung wurde vor und während der Ausbildung zur Verfügung gestellt.

 

Stellensuche und -abstimmung: Für David fand man eine Stelle in der öffentlichen Verwaltung, wo er seine Aufgaben in seinem eigenen Tempo durchführen konnte. Sein Büro ist in einer ruhigen Umgebung ohne viel Ablenkung. Die Arbeitslast wird von einem Supervisor überwacht.

 

Laufende Unterstützung: Bei Bedarf stellt die UB-Organisation laufende Unterstützung an.

 

Beispiel 8: Unterstützte Beschäftigung in der Praxis

 

Oscar arbeitet für eine Telefongesellschaft in Schweden. Oscar hat eine Gehirnverletzung. Früher war Oscar Ingenieur. Aufgrund seiner Verletzung konnte er seine alte Stelle nicht behalten. Oscar erbringt an seinem neuen Arbeitsplatz gute Leistungen. Seine Arbeitsleistung und sein Verhältnis zu den Kolleginnen/Kollegen sind zufriedenstellend, auch wenn von Zeit zu Zeit kleinere Probleme auftreten. Oscar ist nicht in der Lage, mit diesen umzugehen. Die Fachkraft für UB ist seit vielen Jahren dieselbe Person. Oscar vertraut ihr und sie versteht Oscars Situation. Oscar ist von der Unterstützung abhängig, um die Probleme zu lösen. Ohne diese Unterstützung könnte Oscar diesen Arbeitsplatz nicht behalten.

 

Beispiel 9: Von der Schule zur Arbeit

 

In Wales bietet die Unterstützung am Arbeitsplatz für Schulabgängerinnen/-abgänger einen Übergang in die Arbeitswelt. Diese Unterstützung umfasst auch eine persönliche Ausbildung am Arbeitsplatz. Wieder geht es auch darum, den Menschen kennenzulernen. Dabei möchte man mehr über die Fähigkeiten und Interessen herausfinden. In die Unterstützung am Arbeitsplatz sind auch die Familien eingebunden. Die Personen werden in der realen Arbeitsumgebung ausgebildet und bewertet. Das Projekt beginnt mit einem unbezahlten Praktikum. Nach einiger Zeit kann das Praktikum in ein bezahltes Beschäftigungsverhältnis umgewandelt werden. Die Zeitspanne variiert von Person zu Person. Mehr als 100 Personen mit Behinderung haben inzwischen in verschiedenen Funktionen einen bezahlten Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt erhalten. Das Programm beinhaltet auch kontinuierliche Unterstützung mit dem Fokus auf Weiterbeschäftigung. Die Organisation bietet diese Dienstleistungen bereits seit über 20 Jahren an. Russell ist einer der ersten vermittelten Mitarbeiter und ist bereits seit mehr als 20 Jahren beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt.

 

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